Achtsamkeit: Warum das gerade Eltern (und ihren Kindern) gut tut

Ein MBSR- Achtsamkeitskurs ist ein Kurs speziell für Mütter und Väter, die sich eine Stressreduktion vor allem in ihrem Familienleben wünschen. Die Journalistin und zweifache Mutter Carola Sonnet berichtet über ihre Erfahrungen.

Meine erste Meditation war wenig beeindruckend. Innerhalb von Sekunden bin ich eingeschlafen. Es war die erste Stunde des Kurses, in dem ich die Kunst der mindfulness based stress reduction (MBSR) erlernen wollte, die Kursleiterin erklärte uns, wie der so genannte Bodyscan – eine Art Reise durch den Körper in Gedanken – ablaufen würde. Wir sollten uns so hinlegen, dass wir uns wohlfühlen, mit Kissen und Decken, die Sonne schien, und kaum war der Gong ertönt und die ersten Sätze, da war ich weg.

Unsere große Tochter ist nun fast fünf, die kleine wird bald zwei und die vielen Stunden, die ich in den vergangenen Jahren zu wenig geschlafen hatte, waren zu einer Art Erschöpfung geworden, die ich kaum noch los wurde. Tagsüber im Büro, nachmittags mit den Kindern zuhause, fast nie ausschlafen, da war es Zeit für den Körper, sich das zurück zu holen, was er am dringendsten brauchte. Das Schöne daran: in diesem Kurs war es völlig in Ordnung, dass zunächst alle körperliche Erschöpfung der vergangenen Jahre raus konnte und es nicht darum ging, möglichst jede Meditiation von Anfang bis Ende mitzuerleben, sondern für sich das meiste daraus mitzunehmen. Und für mich waren das in den ersten der acht Wochen, die der MBSR-Kurs dauerte, vor allem viele sehr erholsame Stunden der Ruhe und der Zeit für mich selbst.

Achtsames Essen lernen

Wir waren drei Mamas mit kleinen Kindern, die meisten anderen waren schon etwas älter, oder hatten sogar Enkel und aufgehört zu arbeiten. Sie empfanden es als große Anstrengung, in ihrem neuen Alltag eine sinnvolle Struktur und Aufgaben zu finden. Es ging um Krankheiten, Eheprobleme, Sorgen um die Kinder oder Partner, jede hatte einen anderen Grund teilzunehmen und es war gut, jede Woche in der selben Konstellation eine Möglichkeit zu haben, darüber zu sprechen. Und über unsere Übungen: Wir lernten, achtsam zu essen, also weder dabei Zeitung zu lesen, noch fern zu sehen, noch zu telefonieren oder uns zu unterhalten, sondern einfach wahrzunehmen, was wir zu uns nehmen und was uns gut tun – oder was nicht. Seitdem trinke ich nicht sofort nach Aufstehen um sechs Uhr die erste Tasse Kaffe und bis ich um neun Uhr anfange zu arbeiten, drei weitere, sondern ein Glas heißes Wasser zum Frühstück und den ersten Kaffee erst am Schreibtisch.

Achtsamkeitstraining: Ruhe im Kopf üben

Wir lernten, auf unseren Atem zu hören, ihn als Kraftquelle wahrzunehmen und als Ruhepol, wenn die Gedanken mal wieder rasen. Die Gedanken, von denen uns jeden Tag etwa 60.000 im Kopf herum schwirren, die meistens zu nichts führen, sondern nur unser Gehirn mit der Vergangenheit oder irgendeiner unvorstellbaren Zukunft beanspruchen, und die Chance nehmen, im Hier und Jetzt zu leben und uns bewusst zu sein, was um uns herum passiert – statt im Gestern und im Morgen.

Jeden Tag Zuhause zu üben habe ich nicht geschafft – aber das war auch nicht schlimm. Manchmal, wenn die Kinder im Bett waren, oder wenn sie Mittags geschlafen haben, oder kurz bevor ich sie nachmittags abgeholt habe. Und immer war es gut, für mich und für sie, weil es mir von Woche zu Woche besser ging, ich mir bewusster darüber wurde, wann und warum ich sehr ungeduldig mit ihnen bin und was ich daran ändern kann. Was ich auch gelernt habe: dass es keine perfekten Situationen gibt und dass man seine Erwartungen an sich selbst manchmal ruhig etwas herunterschrauben darf, besonders wenn man kleine Kinder hat.

Nach der letzten Stunde unseres Kurses waren wir zu dritt zu Mittag essen, und haben beschlossen, weiter gemeinsam zu üben. Weil wir alle drei Mamas sind und genau wissen, dass es sehr schwierig ist, im Alltag diese eine oder zwei Stunden für sich selbst zu finden und nicht mit einkaufen, aufräumen, aufpassen, spielen oder kochen zu verbringen. Also treffen wir uns seit Dezember alle zwei Wochen für zwei Stunden und meditieren, besprechen was uns bewegt und woran wir scheitern, was uns aber auch hilft, weiterzumachen und besser auf uns und unser eigenes Wohlbefinden zu achten. Denn wenn es uns gut geht, geht es auch unseren Kindern gut.
Achtsamkeit ist die Quelle des Glücks.

Weitere Informationen zur MBSR-Methode findet Ihr hier: http://www.mbsr-verband.de

Und im ZAF- Zentrum für Achtsamkeit und Familie: http://achtsamkeit-und-familie.de

Daniela

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